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Inscriptions/Transgressions
Kunstgeschichte und Gender Studies
Call for papers
Die Vereinigung Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker der Schweiz (VKKS/ASHHA) veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Institut Cultural Studies der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich (HGKZ) sowie dem Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft in Zürich/Lausanne (SIK) und dem Musée cantonal des beaux-arts in Lausanne am 14./15. Oktober 2005 eine Tagung zu Gender Studies. Anlass dafür bietet die dort im Herbst 2005 stattfindende grosse Retrospektive der Genfer Künstlerin Alice Bailly (1872–1932), eine der Wegbereiterinnen des Kubismus in der Schweiz. Für die inhaltliche Abstimmung und Organisation der Tagung hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet (PD Dr. Kornelia Imesch, SIK Zürich; Jennifer John MA, HGKZ; Dr. des. Daniela Mondini, VKKS; Prof. Dr. Sigrid Schade, HGKZ; Nicole Schweizer MA, Lausanne, Universität Lausanne und Kunstmuseum Bern).
Veranstaltungsort: Musée cantonal des beaux-arts Lausanne, Aula du Palais de Rumine 14./15. Oktober 2005.
1. Gender Studies und Kunstgeschichte in der Schweiz
Seit zwanzig Jahren (2. Kunsthistorikerinnen-Tagung, Zürich 1984) hat in der Schweiz keine internationale Fachtagung mehr zu Geschlechterforschung in der Kunstwissenschaft stattgefunden. Haben mittlerweile Gender Studies auch innerhalb der Kunstgeschichte im angelsächsischen und angloamerikanischen Raum sowie in Deutschland und Österreich eine partielle institutionelle Anbindung (Professuren/Tagungen/Schriftenreihen) erfahren, so führen sie an den Schweizer Hochschulen und Universitäten eine nur marginale Existenz. Die Tagung möchte einerseits ein internationales Forum für die in der Schweiz unter isolierten Bedingungen zu Gender Studies forschenden Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker bieten, andererseits den Austausch zwischen der frankophonen und deutschsprachigen Forschung in diesem Gebiet fördern. Da beide Communities kaum voneinander Kenntnis haben und nehmen, erhält die Tagung durch diesen Brückenschlag in Lausanne Pilotcharakter. Zugleich verbindet sich mit ihr das Anliegen, die Theorie- und Methodendiskussion innerhalb des Faches zu fördern und anzuregen, was auch eine der zentralen Zielsetzungen der VKKS/ASHHA ist.
2. Thematische Eingrenzung
In den vier vorgesehenen thematischen Sektionen soll die Frage nach den Wirkungen der Geschlechterdifferenz in zentralen methodischen Feldern der Kunstwissenschaft aufgegriffen werden: in den Feldern der Künstlerbiographik, der Auftraggeberforschung, der Werkanalyse, der Wissenschafts- bzw. Institutionengeschichte und der theoretischen Reflexion.
a) Einschreibungen: Künstlerinnen um 1900/1920
Aus Anlass der Alice-Bailly-Retrospektive ist ein Schwerpunkt auf die Produktionsbedingungen von Künstlerinnen um und nach der Wende zum 20. Jahrhundert gelegt. Das Augenmerk gilt dabei der “Künstlerinnen-Geschichtsschreibung” selbst und den methodologischen Problemen, die einem biographischen Ansatz und den damit implizierten Autorschaftskonzepten innewohnen. Andererseits sollen auch die Konstruktionen künstlerischer Identitäten und Strategien der Selbsteinschreibung in den Kanon thematisiert werden.
b) Profile und Strategien mäzenatischer Selbstdarstellung: AuftraggeberInnen und SammlerInnen
Die Auftraggeberforschung ist in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Arbeitsfeld der Kunstwissenschaft geworden. Dabei wird die Einschreibung von Geschlecht und sexueller Identität in die Politik und Praxis der Auftraggeberin bzw. des Sammlers in Bezug auf das gestiftete respektive gesammelte Artefakt (und dessen geschlechtsspezifischen Kodierungen) selten reflektiert. Deshalb sollen in dieser Sektion Beispiele weiblicher und männlicher Auftraggeberschaft und Sammeltätigkeit vom Mittelalter bis in die Gegenwart untersucht werden. Ebenso interessieren die Effekte der Geschlechterdifferenz in institutionellen Sammlungspolitiken.
c) Inversionen und Transgressionen: “Geschlechterverkehrungen” in der Kunst
In der Gegenwartskunst werden Bilder von “Männlichkeit” und “Weiblichkeit” generiert, reflektiert, transformiert und instrumentalisiert, so dass dem aktuellen Kunstschaffen ein aktiver Anteil an der Kritik der etablierten Geschlechterordnung, an ihren Repräsentationsmodellen und an der Theoriebildung in den Gender und Queer Studies zufällt. Die Herstellung uneindeutiger, hybrider Geschlechterbilder soll in dieser Sektion sowohl aus historischer Perspektive als auch für die Gegenwartskunst untersucht werden, die sich mit Phänomenen wie den (neuen) Medien und der Alltagskultur auseinandersetzt und auch Strategien für politisches Handeln – z. B. über cyberfeministische Aktionen – entwickelt.
d) Feministische Interventionen in der Kunstwissenschaft: VerOrtungen von Gender Studies zwischen Institutionalisierung und Backlash
Feministische Interventionen haben Paradigmenwechsel in der Kunstgeschichtsschreibung hervorgerufen, Interdisziplinarität massgeblich befördert und institutionelle Räume für andere Ausstellungspraktiken und Frauennetzwerke geschaffen. Wie steht die partielle Integration von Gender Studies zu ihrer gleichzeitigen Marginalisierung? Wo werden sie zugelassen, wo ausgeblendet? In welchen neueren Diskursen der Kunst und der Kunstgeschichte werden erneut Essentialismen vertreten – in Haltungen und Produktionen von KünstlerInnen selbst, in scheinbar neuen kulturtheoretischen Konzepten wie z. B. in der Bildanthropologie oder in Missverständnissen postcolonialer Theoriebildung, wie sie in Konzepten von "Weltkunst" erscheinen? Wie werden Gender Studies und Postcolonial Studies gegeneinander ausgespielt?
3. Durchführung
Das eineinhalb- bis zweitägige Kolloquium findet am 14./15. Oktober 2005 im Musée cantonal des beaux-arts in Lausanne in Plenarsitzungen statt. Tagungssprachen sind Französisch, Deutsch und Englisch. Neben der Besichtigung der Alice-Bailly-Ausstellung ist ein Abendvortrag geplant.
Die Veröffentlichung der Tagungsakten ist vorgesehen, entweder als selbständige Publikation oder als Sondernummer der Zeitschrift “Frauen Kunst Wissenschaft”, deren Redaktionsmitglied die Projektverantwortliche, Daniela Mondini, ist.
4. Call for Papers
Die Ausschreibung der Tagung erfolgt über einen Call for Papers, der in der Schweiz und im benachbarten Ausland veröffentlicht wird. Zudem werden einige FachreferentInnen aus verschiedenen Ländern (Frankreich, Kanada, Deutschland, England, USA) persönlich eingeladen.
Wir bitten Sie, zu einem der genannten vier Themenkomplexe (Sektionen) Vorschläge für Referate von maximal 20 Minuten Dauer einzureichen. Beiträge, die über die Präsentation reiner Fallbeispiele hinausgehen und synthetischen (selbstverständlich auch interdisziplinären) Charakter aufweisen, werden bevorzugt. Senden Sie bitte bis zum 30. September 2004 ein abstract im Umfang von max. 2000 Zeichen (1/2 Seite) mit Arbeitstitel, vollständigen Adressdaten sowie einigen bio- bibliographische Angaben, an:
mondi@khist.unizh.ch
Daniela Mondini, Kunsthistorisches Institut der Universität Zürich, Rämistr. 73, 8006 Zürich.
Über die Auswahl der Referate entscheidet die eingangs genannte Arbeitsgruppe.
Zürich/Lausanne, den 27. Juni 2004
Das Call for Papers wird auf der Homepage der VKKS veröffentlicht: www.vkks.ch
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