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Symposium
Vom 6.2.03 – 9.2.03
Donnerstag 6.2.03 Kino 46
18:00 – 21:00 “if...“ (Lindsay Anderson, GB 1968) als Film und Form einer Frage (Claudia Reiche)
Vortrag, Video
Freitag 7.2.03 Neues Museum Weserburg
11:00 – 11:15 Begrüßung
Modelle
11:15 – 12:00 Erkennen und Eingreifen. Modelle des Bauplans der Natur (Brigitte Falkenburg)
12:00 – 12:45 Erfindungen im Labor. Entdeckungen am Modell. Zu den exemplarischen Eingriffen des TMV-Komplexes (Andrea Sick)
12:45 – 13:30 Kunst des Forschens (Elke Bippus)
13:30 – 14:30 Mittagessen
Sex
14:30 – 15:15 Virus versus vitae (Bettina Bock von Wülfingen)
15:15 – 16:00 Geschlecht als 'Kleine Einheit' IVF. Technologien und die Imaginationen
der Geschlechterdifferenz (Anja Zimmermann)
16:00 – 16:30 Kaffeepause
Einpassen
16:30 – 17:15 Mimikry im Afrofuturismus (AF) (Dagmar Buchwald)
17:15 – 18:00 System SBF: Inventarisation der Sammlung mit HIDA MIDAS (Nana Petzet)
18:00 – 18:45 Vir(tu)ale Homo-Sexualität (um 1900) (Julika Funk)
Samstag 8.2.03 Gästehaus der Universität
Vermitteln
9:30 – 10:15 Virulente Elemente: Emergenz, Leben und andere “boundary objects” (Jutta Weber)
10:15 – 11:00 Gabe und Besessenheit. Modelle der Affektion (Katrin Busch)
11:00 – 11:45 Simulation – Parallellwelten. Aufbau, Invention, Mediation (Martina Merz)
11:45 – 12:00 Kaffeepause
Tierversuche
12:00 – 12:45 Ground Zero oder Am Anfang war der Affenmensch (Marion Herz)
12:45 – 13:30 Ratten Testen. Wissenschaftliche und mediale Reproduktionsmodelle (Ulrike Bergermann)
13.30 – 14:30 Mittagspause
Institutionalisierung
14:30 – 15:15 Zur Kritik neuer wissenschaftlicher Mythologien. Human Genome Project, Open Source
und technokapitalistische Metaphern (Katja Diefenbach)
15:15 – 16:00 Eingreifen. Allüberall. Queer als Modell der Intervention? (Sabine Hark)
16:00-16:15 Kaffeepause
Visualisieren
16:15 – 17:00 "Viren visualisieren" (Brigitte Weingart)
17:00 – 17:45 I am your clitoris (Christina Göstl)
Sonntag 9.2.03 Gästehaus der Universität
Unterwandern
10:00 – 10:45 Von der Unmöglichkeit des Nicht-Eingreifens (Claudia Reiche)
10:45 – 11:30 The Rumor Files I (Andrea van der Straeten)
11:30 – 12:15 Viral sex und microfeminine becoming (Luciana Parisi)
12:15 – 12:45 Pause
Des/Infizieren
12:45 – 13:30 Eingriffe in Informationssysteme – Warum sind Computer so leicht infizierbar?
(Karin Vosseberg)
13:30 – 14:15 "Eintritt: 5 Bazillen!" Konzepte von Ansteckung in Bakteriologie, Literatur und Psychoanalyse. (Elisabeth Strowick)
14:30 – 15:00 Kuchen, Kaffee und Sekt
14:30 – 15:00 dokufiktion zum Symposium (Claudia Kapp)
Konzept/Thema: Eingreifen. Viren, Modelle, Tricks
Modelle sollen erklären oder entwerfen, strenggenommen tun sie stets beides und halten so ihre User zum Narren. Modelle sind zudem das, was zwischen Disziplinen wandern kann. Sie strukturieren das Denkbare, wenn sie nur ansteckend genug sind, um mit immer neuem Leben gefüllt zu werden und um ebenso Bedingung wie Effekt solcher Leben zu sein. Auch an den Grenzen von Natur- und Kulturwissenschaften, Technik und biologischen wie politischen Körpern greifen Modelle ein. Besonders die und die haben in letzer Zeit die Grenzen nationaler Souveränität, persönlicher Identität, digitaler Sicherheit, geschlechtlicher Stabilität und Symbolik zu deuten geholfen. Wir laden mit dem Laboratorium zur Erweiterung dieser Modellierungen ein:
Wie steht es um die Modellhaftigkeit von Bakterien, Prionen, Würmern, Parasiten? Wie bildeten sich andere biologische oder physikalische Darstellungstricks heraus, wie wurden Eizelle, Sperma oder Mitochondrien entworfen? Konnte die unanschauliche Teilchenphysik unser Weltbild infizieren, wie wird ein Molekül erkennbar, ist es immer schon ein Modell, und wie wird ein Molekül zu einer Botschaft? Ist der widerständige Held Virus ein subversives Modell - trifft das eher für David und Robin Hood, die heutige Feministin, Queer Studies, al-Quaida oder Globalisierungsgegner zu, oder hat die weisse patriarchale Industriegesellschaft die wirkungsvollsten Minimaleingriffe zu verzeichnen?
Eingreifende Modelle ermöglichen das wechselwirksame Zusammenstellen, vielleicht Hybridisierungen, etwa der Rhetorizität des Körpers, von Performanz und Ansteckung, Funktion und Ökonomie von Zellfabriken, der Grenze von Leben und Nicht-Leben, Vorbild und Kopie, den Erkrankungen von Rechnern, heimlich-schlafender Besessenheit oder der Wanderwege medialer Codes. Eine Fertilisation zwischen den Disziplinen wie Info-, Bio-, Politikwissenschaft und Medientheorie ist Voraussetzung wie auch Resultat eingreifender Modelle und befragt Innen und Aussen, Kultur und Natur, Materialität und Sprache, eigen und fremd. Etwa in biologischer Kriegsführung, Verwaltung, Disziplinierung von bedrohlichen Kranken oder zur Erkennbarkeit von Schläfern, Attentätern und Terroristen. Diese Beispiele sind Eindringlinge in vielfacher Hinsicht und machen es möglich, Grenzen von Disziplinen, Institutionen, Sozietäten und Körpern zu untersuchen, im eigenen border engineering.
Das Prinzip heimlicher Ansteckung und das Wecken verborgener Erregung schlummert riskant nicht nur in Modellen, die z.B. als Virus, Agent oder als Charisma bekannt sind, sondern bestimmt als Strategie der Fallenstellung und Überlistung alle eingreifenden Modelle. Eindringlinge müssen sich üblicherweise durch Maskerade Eintritt verschaffen; Impfung als Mimikry mit den betrügerischen Grenzgängern kann den klügsten Schutz bieten. Im Laufe des 20. Jahrhunderts ermöglichte insbesondere die Fokussierung auf die genetischen Moleküle den neuen Biowissenschaften die Formulierung und Umsetzung allgemeiner Lebensprinzipien. Hier wurden mikrobiologische Systeme zu universalen Bausteinen, die zusammen mit Konzepten von Selbstorganisation, Rückkopplung und Emergenz zur Generierung von Forschungsbereichen wie Artifical Life, Robotik und Gencomputing beitragen.
So kann beispielsweise der Forschungsgegenstand Virus Anlass sein, diskursive oder technische Grenzen, Transformationen und Übersetzungsvorgänge zwischen biologischen und informationstechnischen Diskursen zu befragen. Zentrale Begriffe der Virologie wie "Information” oder "Organismus” werden seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in Genetik und Kybernetik, später der Informatik verwendet und durchwandern damit die Grenzen der Diskurse, die sie hervorgebracht haben. Translation, Transkription, Botschaft, Transfer, Codierung revisited.
Auch die Visualisierung, ob von Abstraktem, Kleinem oder konzeptuell Unsichtbarem, kann hier eine Rolle spielen. Im Modell stellt sich ein doppeltes medientheoretisches Problem. Erstens: Wie funktioniert die Übertragung durch das Modell?, und zweitens: Wie wird das zu Untersuchende hervorgebracht? Wenn Dinge dazu gebracht werden müssen, sich selbst darzustellen, fallen wissenschaftliches Objekt und Zeichen zusammen. Hat dann das Labor das Gefundene konstruiert? Welche alten Muster liegen dem Neuen zugrunde, und wie kann man gleichzeitig die Neuheit von Modellorganismen und Gedankenfiguren wahrnehmen?
Die Erarbeitung verschiedener Modelle ermöglicht schließlich Blicke auf die Modellhaftigkeiten, die in uns eingreifen und die uns eingreifen machen. Wo ist Alien zu Hause? Ist Geschlecht ein Auslaufmodell? Wie wird Politik mit Biomodellen renaturalisiert? Kann man einen Ohrwurm loswerden?
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