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Annegret Rittmann
Zur Edition Motherhood von Susanne von Bülow
Nicht als Serie entwickelte Susanne von Bülow die vorliegenden Postkarten, vielmehr wählte sie sie als Einzelarbeiten aus dem Fundus ihres Werkes, in dem die Mutterschaft eine zentrale Rolle spielt und überarbeitete sie für diese Ausgabe von FrauenKunstWissenschaft. Ihr künstlerisches Mittel ist vornehmlich die Zeichnung, auch die Karikatur, mit dem sie das stark persönlich geprägte Thema sowohl mit humorvoller Distanz betrachtet wie auch durch Überzeichnen und Verfremden aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
Das Hereinbrechen der Existenz des Kindes in die eigene Lebensrealität und die damit einhergehenden Irritationen, Veränderungen oder gar Umwälzungen stellen ein Grundthema dar: Der Kugelbauch der Hochschwangeren schiebt sich zwischen Mann und Frau, verursacht ungewollt Abstand zwischen den werdenden Eltern, erschwert die Nähe und den Austausch an Zärtlichkeiten. Oder: Das Hüpfpferd „Rody“, Sinnbild der Lebenswelt des Kindes, dringt in das Dasein der erwachsenen Mutter ein und erobert sich dort einen festen Platz – ob gewünscht oder nicht. Diesem Spielzeug zwar in zärtlicher Geste zugetan, verraten Blickrichtung und Körperhaltung der Frau doch eine Fremdheit gegenüber dem Objekt, die sich vom spontanen Zugang des Kindes zu diesem Hüpfpferd unterscheidet und eine eigentümliche Ambivalenz im Kontakt zwischen der unbekleideten Frau und dem – fast belebt wirkenden - animalischen Spielzeug ausdrückt.
Schwangerschaft und Mutterschaft stehen in den Zeichnungen Susanne von Bülows im Spannungsfeld zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. Wenn die Mutter auf dem Sofa, den Säugling im Arm haltend dem leeren Fernsehbildschirm nackt gegenüber sitzt, treffen Intimes und Öffentliches in verstörender Weise aufeinander. Die Isoliertheit von Mutter und Kind im Raum, der verlorene Kontakt der beiden trotz nahezu symbiotischer Körpernähe, die Leere des Bildschirms, auf den sich der Blick der Mutter richtet, sie suggerieren den Eindruck von Bezugslosigkeit. Hinterfangen und umhüllt von einem großblumigen, dekorativen Tapetenmuster ist die Wirkung schöner Heimeligkeit eher irritierend, hebt er doch das beziehungsverlustige Nebeneinander nicht auf, sondern ironisiert es vielmehr. Und der Blick in den leeren Fernseher veranschaulicht den Abbruch - oder zumindest die Reduziertheit - des Kontakts zur Außenwelt, die die elementare körperliche Bindung von Mutter und Kind in den ersten Lebenswochen mit sich bringen kann.
Die Unmöglichkeit der Trennung von Privatem und Öffentlichem erschließt sich aus dem Bild Zur politischen Brisanz der pränatalen Diagnostik: Der Bauch gebietet keinen Schutzraum vor äußeren Einblicken. Eine embryonale Hitlerfigur auf dem Schirm des Ultraschallgerätes soll satirisch überzogen die weitreichenden Möglichkeiten pränataler Untersuchungen aufzeigen: Die frühzeitige Diagnostik von Diktatoren – eine wünschenswerte Abtreibung wird nahegelegt. Der Bauch der Frau wird als Ort politischen Geschehens zum öffentlichen Ort.
Nacktheit und matronenhafte Körperfülle charakterisieren die Mütter. Das Zurückgeworfenwerden auf elementare Körperfunktionen und die Erfahrung der existentiellen Abhängigkeit von diesen gehört mit zu den ambivalenten Erfahrungen der Schwangerschaft und früher Mutterschaft. Unsentimental und frei von Sterotypen beleuchten die Zeichnungen verschiedenste Aspekte dieser Lebensphase. Zwar gelingen durch die karikierende Zeichensprache treffsichere Zuspitzungen, zugleich aber bleiben die Bilder offen für unterschiedliche Lesarten und Blickwinkel.
Susanne von Bülow: Motherhood
4 Farbpostkarten, Auflage: 1000 Stück
Preis je Serie: 5,- EUR (incl. Versandkosten)
Preis je Einzelkarte: 2,- EUR, ab 4 Stück 1,50 EUR (incl. Versandkosten)
Originalfarbigkeit der Karten zu sehen unter: www.SusannevonBuelow.de
Bestellungen bitte direkt an: Susanne von Bülow, Rudolfstr. 8, 48145 Münster
Susanne von Bülow
1969 geb. in Balingen / Baden-Würtemberg
1991 Studium an der Kunstakademie Münster bei Zellmann, Roschek, Keusen, Fischer und Frisch
1995-1998 Frauenbeauftragte der Kunstakademie Münster
Einführung eines Frauenkolloquium
1998 Lehramtsexamen Geschichte und Kunst
1999 Geburt der Tochter Helene Liselotte
1999 Studium der Freien Kunst und Referendariat
2001 Geburt der Tochter Corinna Katharina
Ausstellungen (Auswahl)
Einzelausstellung:
2002 Münster, c.u.b.a.: One has seen horses puke in front of a pharmacy (mit und Burkhard Saur)
Beteiligungen:
1994 Dortmund, Museum am Ostwall: Die Kunst geht baden
1997 Münster, Ateliergemeinschaft Schulstraße: Das Leben ein Traum
1999 Emsdetten, Münsterland Galerie: Klasse Keusen
2000 Osaka/Japan, CAS: Eine kleine Kunstkartei
2001 Rheda, Orangerie: Avantgarde - the next generation
2002 Münster, Containerausstellung: EchtZeit (Katalog)
2002 Nürnberg, Galerie Bernsteinzimmer: Antlitz
2003 Oldenburg: inrooming-project
2004 Münster, Geologisch-Paleontholisches Museum: profundal, das
Publikationen (Auswahl)
seit 1995: Karikaturen in Der Meisterschüler, (www.DerMeisterschueler.de) Periodikum der Kunstakademie Münster
Echtzeit, Einzelkatalog, 2002
umständlich, Aufzeichnungen der Susanne von Bülow, 2002
Abbildungen:
1. »Ein dicker Bauch treibt die meisten Paare vorübergehend auseinander« , aus: umständlich, Münster 2002, überarbeitet mit Folie auf Tapete
2. Zur politischen Brisanz der pränatalen Diagnostik, bemalte Folie, 2003
3. offline, Collage, 2004»Ich und Rody«,Kartondruck, 2004
4. »Ich und Rody«, Kartondruck, 2004 |