Frauen Kunst Wissenschaft - Halbjahreszeitschrift
 
Heft 22
RaumStationen
 

Redaktion

Christiane Keim, Maren Lübbke, Christina Threuter

Beiträge

Felicitas Konecny: Für eine feministische Bau-Kunst. Die Frauen-Werk-Stadt in Wien und Überlegungen zu einer feministischen Theorie der Architekturproduktion

Irene Nierhaus: Haus und Heimat. Zur Geschlechterordnung in Heimatfilm und Wohnbau der Wiederaufbauzeit

Bettina Günter: Geschlechtsspezifische Aneignungsformen des Wohnens in den fünfziger Jahren zwischen selektiver Bescheidenheit und Teilhabe am Konsum

Christiane Keim/ Ulla Merle: "Schwerkraft ist suspendiert"? Raumaneignung und Geschlechterdifferenz in Fotografien des Bauhauses

Linda Hentschel: Unwegsamkeiten auf dem Feld des Sehens - Raumwahrnehmungen, Sehirritationen und Geschlechtersituierungen bei Valie Export und Cindy Sherman

Diskussion/Projekte

Gerlinde Volland: Aby Warburg und das "Schlangenritual": Ein Nachtrag zur Rezeption durch feministische Kunsthistorikerinnen

Iris Dressler: Phantasmen des "ganzen" und "zerstückelten" Körpers. Ein "concept in process"

Tagungsbericht

Barbara U. Schmidt: Rückblick auf die 6. Kunsthistorikerinnen-Tagung, 11.-14. April 1996/ 2. Sektion Tübingen

Ausstellungsrezensionen

Anja Zimmermann: Auf der Suche nach dem Weiblichen (im) 20. Jahrhundert. Zur Ausstellung: "Inside the Visible: an elliptical traverse of the 20th century art in, of and from the femine" im Institute of Contemporary Art, Boston, USA, 30.1. - 12.5.1996

Maren Lübbke: Bild-Körper-Sprache. Zur Ausstellung "Auf den Leib geschrieben" in der Kunsthalle Wien im Museumsquartier, 15.12.1995 - 31.1.1996

Irene Ewinkel: Kurfürstin Auguste (1780-1841). Malerin, Sammlerin und Mäzenin. Eine Ausstellung des Brüder Grimm-Museums in der Neuen Galerie Kassel, Dezember 1995 bis Februar 1996

Werkstattbericht zur Dissertation

Sigrid Gensichen: "Aus unserem eichetum erbaut ..." Die Hofkirche der Markgräfin Sibylla Auguste von Baden-Baden in Rastatt

Infoteil (Maren Lübbke, Annegret Rittmann)

Edition Nr. 10: Frederike Schweizer: Dekonstruktion: Reise, 1996

(Einführung: Maren Lübbke)

Zum Inhalt:

Die Beiträge des Heftes setzen sich von unterschiedlichen Standorten aus mit den Beziehungen zwischen Raum und Geschlecht auseinander. Der Begriff 'Raum' bezeichnet dabei nicht nur architektonisch definierte Räume, sondern auch die imaginären Räume von Fotografie und Film.
Felicitas Konecny nimmt das Modellprojekt Frauen-Werk-Stadt in Wien zum Anlaß, sich als Feministin und Architekturproduzentin Gedanken über Modelle feministischer Architekturproduktion zu machen. Der Raum in seiner metaphorischen, figurativen und materiellen Bedeutung dient der Autorin dabei als Leitfaden für die Entwicklung ihrer These: Die Leer-Räume, die sich durch die Ausschlußpraxis des "derzeit größten Projektes des frauengerechten Wohnungsbaus in Europa" eröffnen, führen sie über die Denk-Räume der feministischen Wissenschaftstheorie zu den Körper- und Kunst-Räumen einer feministischen Bau-Kunst. Gegenstand von Irene Nierhaus' Untersuchung ist das Kunstprodukt Heimat, wie es im populären Film der fünfziger Jahre sowie in den Wandbildern und Plastiken der zur gleichen Zeit errichteten Wohnsiedlungen hergestellt wurde. Die Bilder der Filme, vor allem das Imago des (Vater-)Hauses führten den ZuschauerInnen eine idealisierte ländliche Gemeinschaft vor, "die in Familie, Geschlechterordnung und Bindung an den 'Boden' nach klaren hierarchischen Gesetzen und Werten organisiert ist." Die Wandbilder und Plastiken wiederum präsentierten den BewohnerInnen die Rollenverteilung der Geschlechter als natürliche Grundlage einer funktionierenden sozialen Gemeinschaft. Ebenfalls um Wohnformen und Räume der fünfziger Jahre geht es im Beitrag von Bettina Günter. Ausgehend vom ethnomethodologischen Begriff der 'Aneignung' nimmt die Autorin eine qualitative Bestimmung der Wohnkultur in den fünfziger Jahren vor, die in erster Linie von den Aneignungsstrategien der Frauen geprägt wurde.
Christiane Keim und Ulla Merle analysieren Fotografien, die am Bauhaus entstanden sind und männliche wie weibliche Mitglieder der Institution in den Außen(wohn-)räumen, auf Balkonen und Terrassen der Bauhausgebäude zeigen. Die jeweilige Situierung der Personen zwischen Drinnen und Draußen gibt Aufschluß über die geschlechtsspezifischen Implikationen von konstruktivistischer Raum- und (Kunst-)produktionstheorie. Im Zentrum des Beitrags von Linda Hentschel steht die Kritik am kulturellen Konstrukt geschlechtsdifferenter Blickpositionen. Die Autorin beschreibt, wie die Künstlerinnen Valie Export und Cindy Sherman mit ihren Arbeiten und Aktionen die subjektbildende und -stabilisierende Illusion der Übersicht, die mit der Verfügung über den Raum verknüpft ist, aufdecken. Exports Tapp- und Tastkino konfrontiert die Lust am Schauen, i.e. am Blick auf den weiblichen Körper, mit ihrer Abhängigkeit von der räumlichen Distanz; Shermans film stills wiederum parodieren mit ihren Maskeraden und Imitationen das Verlangen des Auges nach Einheitlichkeit und abgeschlossener Form.

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Dezember 1996
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Edition
Edition Nr.: 10