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Redaktion
Karin Görner, Linda Hentschel, Birgit Thiemann
Beiträge
Londa Schiebinger: Verlorenes Wissen, Systeme der Ignoranz und die Beschränktheit der Taxonomie dargestellt am Beispiel der Flos Pavonis, einem Abortivum
Karin Görner: Verordnete Natur. Botanische und ethnographische Zeichnungen von Louise von Panhuys
Angelika Saupe: Leibniz' Monaden und Maturanas autopoietische Systeme als analoge Modelle der modernen Auffassung von Leben
Buchrezensionen
Gerlinde Volland: Vom Adonisgärtlein zum Landschaftspark. Michael Niedermeier: Erotik der Gartenkunst, Leipzig 1995
Gabriele Werner: Die machtvolle Geste des "Überblicks". Beate Söntgen (Hg.): Rahmenwechsel. Kunstgeschichte als feministische Kulturwissenschaft, Berlin 1996
Irene Nierhaus: Weiblichkeit als Medialität. Silke Wenk: Versteinerte Weiblichkeit, Köln/Weimar/Wien 1996
Insa Härtel: Eine Stadt jenseits des Lustprinzips? Richard Sennet: Fleisch und Stein. Der Körper und die Stadt in der westlichen Zivilisation, Berlin 1995
Tagungsbericht
Karolina Künkler: "Frauen - Wissenschaft - Natur", Wuppertal November 1995
Ausstellungsrezension
Sabina Leßmann: Ana Mendieta, Kunsthalle Düsseldorf
Infoteil ( Annegret Rittmann )
Edition Nr. 11: Cäcilia Gernand: Sushi (Einführung: Karin Görner) |
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Das vorliegende Heft Früchte der Kunst - Hybrides aus Natur, Wissenschaft, Kunst und Geschlecht widmet sich den Anfängen der modernen Naturwissenschaften und somit dem Zeitraum vom 17. bis in das beginnende 19. Jahrhundert. Uns hat interessiert, welchen Anteil Kunst, Sprache und Philosophie an der Popularisierung naturwissenschaftlicher Denksysteme hatten und auf welche Weise sie zu deren gesellschaftlicher Affirmation und Objektivierung beitrugen. Die Geschichte und Theorie der Naturwissenschaften sollte als Kulturwissenschaft betrachtet werden und der Blick vor allem darauf gerichtet sein, wie das Wissen über Natur mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen und Hierarchisierungen von Geschlecht, Rasse oder Klasse verflochten war und ist. Dies heißt zu fragen, inwiefern die Spaltung von Natur- und Geisteswisenschaften, von naturwissenschaftlichen Befunden und künstlerischen Repräsentionen bereits die Universalisierung von Wissen mitstrukturiert.
Bezeichnenderweise ist Natur ein Begriff der modernen Wissenschaften, in denen zeitgleich Kategorien wie Geschlecht oder Rasse installiert wurden. Mit der Erstellung dieser neuen Wissensmodelle ging das Ziel einher, als Apparat selbst unsichtbar zu sein. Das Ideal der Transparenz, d.h. der reinen Beobachtung, des empirischen Erfassens und taxonomischen Ordnens, gab sich den Anschein, jenseits gesellschaftlicher Hierarchisierungen zu agieren. Diese Strategie der Entkontextualisierung von Zeit, Raum, politischen Machtverhältnissen und die Verschiebung von subjektiven Erkenntnisinteressen hin zu scheinbar objektiven Wahrheiten dienten jedoch dazu, kulturell hergestellte Ordnungssysteme zu naturalisieren. Natur sollte daher als ein Naturalisierungseffekt dekonstruiert werden.
Wie sehr Denkmodelle über Natur von Rousseau, Linné und Humboldt bis zu Darwin einem Heeresplan gleichen, in dem die Position des weißen, europäischen, heterosexuellen Mannes als Sieger eingetragen ist, haben kulturwissenschaftliche und naturwissenschaftskritische Arbeiten zeigen können. Von diesen Diskussionen ausgehend, die die strukturellen Analogien der Oppositionierungen von Natur-Kultur mit Weiblich-Männlich, Schwarz-Weiß sichtbar gemacht haben, wendet sich dieses Heft dem Prozess der Sichtbarmachung selbst zu. Wir fragen, wie Repräsentationssysteme im Bereich der entomologischen Aufzeichnung (Londa Schiebinger über Maria Sibylla Merian), der visuellen Naturstudie (Karin Görner über Louise von Panhuys) oder des philosophischen Traktats (Angelika Saupe über Leibniz und Maturana) mit dem Begriff Natur umgehen. Nicht zuletzt interessierte, ob der andere gesellschaftliche Status von Künstlerinnen und Naturwissenschaftlerinnen ein anderes Bild von Natur produzierte und damit eine Verzerrung, eine Hybride in den vermeintlich transparenten Wissensapparat einbaute. |
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