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Redaktion
Angela Rosenthal, Christina Threuter
Beiträge
Verena Kuni: Arbeiten an der `Schnittstelle Geschlecht': Trans/Gender-Utopien dies- und jenseits der Interfaces
Ulrike Bergermann: Intelligente Lebensformen. Das `Old Boys Network' promoted den Cyberfeminismus
Manuela Barth, Barbara U. Schmidt: LaraCroft:ism
Jennifer A. Law: Ghost Stories: Democracy, Duplicity and Virtuality in the Work of Candice Breitz
Angela Rosenthal, Christina Threuter: Für Dolly: Ein Interview mit dem Zwillingskünstlerinnenpaar doe-doe
Rebecca Schneider: Nomadmedia. On Critical Art Ensemble
Nachruf
Christiane Keim: Architektur als Inhalt. Zum Tode von Margarete Schütte-Lihotzky
Ausstellungsrezensionen
Reinhild Feldhaus: "Die Gewalt der Kunst". Eine Ausstellung im Alten Museum, Berlin, 4.9.1999 - 9.1.2000
Sabina Leßmann: Puppen Körper Automaten - Phantasmen der Moderne. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 27.4.-17.10.1999
Infoteil (Daniela Mondini)
Edition Nr. 17: Candice Breitz: Group Portrait - (Cesare Paciotti) - 1999
(Einführung: Jennifer A. Law) |
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Auf dem Umschlag ist eine Frau zu sehen, die sich ungeschminkt und scheinbar nur für eine Photoaufnahme mit wolkenbestücktem Himmelhintergrund entspannt in Pose gesetzt hat. Den Kopf leicht in den Nacken zurückgeworfen, blickt sie lächelnd an uns vorbei. Die weißen Buchstaben BARBIE auf dem einfachen blauen T-Shirt verweisen - so ist man geneigt zu schließen - auf ihren Namen. Frontal wie für eine Paßbildaufnahme posiert dagegen auf der Rückseite KEN. Die beiden Photographien stammen aus dem sich ständig erweiternden Photoarchiv der Künstlerin Candice Breitz und sind Teil ihrer Serie Surrogate Portrait, mit der sie 1998 begann. Auch wenn uns Barbie und Ken seit langem bekannt sind, so erscheinen uns die Gesichter der hier Präsentierten zwar vielleicht als Typen vertraut, doch kennen wir sie nicht, und sie entsprechen auch nicht den Vorstellungen einer 'Barbie' und eines 'Ken'. Breitzs BARBIE und KEN stehen stellvertretend für alle Barbies und Kens und bilden somit eine Parodie auf die Bemühungen um Kategorisierungen und Abgrenzungen von nationalen, kulturellen, geschlechtlichen und ethnischen Identitäten.
In diesem Heft haben wir Beiträge zusammengestellt, die sich mit alternativen Körperkonzepten im Kontext neuer Technologien beschäftigen. Bio- und Gentechnologie, Reproduktions- und Neurotechnologie, Kommunikations- und Medientechnologie verändern bzw. werfen an der Wende zum 21. Jahrhundert in zahlreichen Publikationen, Konferenzen und Ausstellungen vermehrt Fragen um die Manipulierbarkeit und Selbstbestimmung des Körpers auf.
Welche Möglichkeiten das Internet vor dem Horizont der feministischen Medientheorie und -praxis für die Überschreitung von binären Geschlechtergrenzen bietet, wird von Verena Kuni diskutiert. Kunis These ist die, dass Netzidentitäten nicht nur individuell geformt werden, sondern auch traditionellen Wahrnehmungs-, Repräsentations-, und Interaktionsmustern unterliegen. Auch wenn sie nicht an die gänzliche Auflösbarkeit der Geschlechteridentitäten durch das WorldWideWeb glaubt (Haraway), so sieht Kuni doch darin einen wesentlichen Impuls für Veränderungen und die Möglichkeit Geschlechtszuschreibungen aus der binären Struktur herauszulösen.
Mit Doe-Doe stellen wir im Interview ein Künstlerinnenduo vor, das Strategien gegen die Vereinzelung der Anwender neuer Medien bereitstellt und neuen Raum für die Bedürfnisse der Selbsterfahrung durch Projekte wie Kontaktbörsen im www liefert. Doe-Doe propagieren eine Wandelbarkeit und Verdopplung von Identität. Mit vielfach ironischem Unterton befürworten sie die scheinbar unbeschränkten Möglichkeiten neuer elektronischer und biotechnologischer Produktionen. Auf die Frage, ob ihr Künstlerinnenname eventuell von Jane Doe abgeleitet sei, antworteten die Zwillinge, dass sie mit dieser verwandt seien. Mit Jane oder John Doe werden im englisch sprachigen Raum Personen bezeichnet, deren Namen unbekannt sind (beispielsweise bei Einlieferungen ins Krankenhaus). Vergleichbar mit n.n. ("Nomen nescio", d.h., den Namen weiß ich nicht oder auch "Numerius negidius", d.h., der zu zahlen sich weigert).
Die Kunstwissenschaftlerin Barbara U. Schmidt und die Künstlerin Manuela Barth beschäftigen sich in diesem Heft am Beispiel der virtuellen Kunstfigur Lara Croft, der Protagonistin des Video- und Computerspiels Tomb Raider, mit der Frage nach der `postfeministischen' Powerfrau und den damit verbundenen Körpervorstellungen. Für diesen Beitrag gestaltete Manuela Barth eigens eine zweiseitige Bildcollage, die den populären Kultstatus dieser Kunstfigur reflektiert.
Jennifer Law liefert in ihrem Beitrag einen dezidierten Überblick über die vielfältigen Arbeiten von Candice Breitz, der in New York lebenden südafrikanischen Künstlerin, die durch ihre großformatigen Photobearbeitungen wie Ghost Series (1994) und Whiteface Series (1996) und den provokanten Collagen aus pornographischen und ethnischen Photoaufnahmen der Shadow Series (1996) für internationales Aufsehen sorgte.
Law beleuchtet diese und andere Arbeiten, wie My Twin Series (1995), Surrogate Portraits (1998) und der speziell für FKW erstellten Künstlerinnenedition aus der Group Portrait Series (1999) im Zusammenhang mit ethnischer Säuberung, und neo-kolonialer und sexueller/sexistischer Ausbeutung, in Bezug auf Phantasien über Identitätsverdopplung, Doppelgänger- und Zwillingsdasein, sowie Phantasmen nationaler und familiärer Zusammengehörigkeit im Zeitalter einer modernen Konsum- und Mediengesellschaft.
Die Edition, die Candice Breitz eigens für dieses Heft erstellte, schließt thematisch und gestalterisch an ihre früheren Arbeiten an. Sie thematisiert hier die Uniformität des weißen Frauenkörpers in der westlichen Konsumwerbung. In Anlehnung an Kompositionen eines traditionellen Familien- oder Gruppenporträts erscheinen den drei Barbiepuppen-ähnliche uniforme Frauen, von denen zwei zwillingshafte Ähnlichkeit besitzen, jedoch ist ihnen die Zusammengehörigkeit durch das nachträgliche Löschen der Bekleidung genommen. Der Körper zerfällt gleichsam in fetischistische Fragmente und wird so seiner Konstruiertheit überführt.
Ulrike Bergermann geht in ihrem Beitrag feministischen Strategien im Cyberspace sowie der Vielstimmigkeit als Konzept durch das Projekt des Old Boys Network nach. Im Zentrum ihrer Erörterung stehen die unterschiedlichen Vorgehensweisen der Old Boys in der Inszenierung von Repräsentationskritik, die sich im Kontext von Kunst präsentieren.
Die Theater- und Performancewissenschaftlerin Rebecca Schneider diskutiert an Hand der radikalen politischen Aktionen der seit den 1980er Jahren aktiven, nordamerikanischen KünstlerInnengemeinschaft Critical Art Ensemble (CAE), die ideologischen Probleme der reproduktiven Biotechnologie. Schneiders Hauptaugenmerk gilt der von CAE an verschiedenen Orten performativ ausagierten und auf dem Web dokumentierten Aktion Flesh Machine. Dabei handelt es sich um eine provokative Intervention in der Tradition von Dada, Happening und den Guerilla Girls, bei der menschliche DNA als 'heiße Ware' schein-gehandelt und -vermarktet wird, bis hin zur Auktion und gegebenenfalls dem Auftauen und damit Zerstören eines tatsächlichen, eingefrorenen Embryos. In Anlehnung an CAE hat Schneider den Begriff NOMADMEDIA formuliert, dem Eindringen und globalen Umherwandern von (reproductive biotechnology) biothechnologischen Firmen im World Wide Web, bei der frau sich ihre Nachkommenschaft über das Netz bestellen kann. Schneider beschreibt dies als neue kapitalistische Machtstrategie zur Eroberung eines weiten Marktes zur kolonialen Expansion im menschlichen Körper.
Wir danken allen Autorinnen und Künstlerinnen dieses Heft sowie denjenigen, die die Arbeit am Heft durch Ihre Informationen und Hinweise unterstützt haben.
Angela Rosenthal, Christina Threuter |
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