Frauen Kunst Wissenschaft - Halbjahreszeitschrift
 
Heft 34
Festschrift für Irene Below
Plädoyers für eine "interessengeleitete" Kunst(Geschichte)
 

Anja Baumhoff: Vom ernsthaften Streben nach Höherem und der ausdauern­den Suche nach dem Eigentlichen

Heinrich Dilly: Kann es nicht etwas schärfer sein? Ein paar Einwürfe in die aktuelle Debatte über die Geschichte der Lichtbild-Pro­jektion

Birgit Haehnel: Zukunftsvisionen für die Kunstwissenschaften. Nomadinnen schreiben Geschichte um Ines Lindner: Depot und Exil. Über Irene Belows Engagement für einen nicht erteilten Auftrag

Klaus Möller: Irene Below und das Prinzip des Wachsens. Über ein Lehrforschungs­projekt und die Verwirklichung eines Traumes

Sigrid Schade: Postkoloniale Reisen und Ornamente. Zur Installation von Silke Radenhausen im Museum des ethnologischen Instituts im Schloss Hohentübingen

Katharina Sykora: Misfits. Über die Produktivität, mit sich uneins zu sein

Silke Wenk: Es kann also niemand sich für praktisch bewandert in einer Wissenschaft aus­eben und doch die Theorie verachten ...” Oder: Irene Belows Beitrag zu einer feministi­schen Interventionskultur

„Quel travail le passé ...“ Bibliografie von und für Irene Below (bearbeitet von Birgit Thiemann) Edition

Nr. 22: Judith Walgenbach: Biomasse Hefeteig (Text von Birgit Schulte)

Ausstellungsrezension Gislind Nabakowski: Die Regeln verändert? Eine Retrospektive von Eva Hesse im Museum Wiesbaden, 11. Juni - 13. Oktober 2002

Buchrezension

Astrid Schmetterling: Irene Below: Hidden Treasures. Irma Stern. Her Books, Painted ook Covers and Bookplates. Cape Town 2000 Tagungsrezension

Peter Kruska: Global Players? Kunstgeschichte und die Gegenwartskunst der Welt.Tagung des Kunsthistorischen Instituts der Universität Leipzig in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig, 26. April 2002 98 Infoteil104 Mitwirkende

Zum Inhalt:

Die vorliegende Ausgabe von FKW ist der Kunsthistorikerin Irene Below als Festschrift zu ihrem 60. Geburtstag gewidmet. Damit soll eine Kollegin gewürdigt werden, der wir, die Redakteurinnen des Heftes, uns auf jeweils besondere Weise verbunden fühlen. Außerdem wird mit diesem Heft auch an die Anfänge der Zeitschrift erinnert: FrauenKunstWissenschaft wurde 1987 als Mitteilungsorgan der neu geschaffenen Sektion Frauenforschung im Ulmer Verein ins Leben gerufen und hat sich seither immer auch als ein Diskussionsforum für VertreterInnen der verschiedenen Felder der Frauen-und Geschlechterstudien verstanden. Nicht nur in ihren Ämtern als Sprecherin der Gesamtsektion (von 1987-94) und Sprecherin der AG Künstlerinnen des 20. Jahrhundert (1989-98), sondern auch darüber hinaus hat Irene Below die Entwicklung der feministischen Forschung in Deutschland engagiert vorangetrieben und kritisch kommentiert. Bereits auf der 1. Kunsthistorikerinnentagung 1982 in Marburg gehörte sie zu den Referentinnen. Auf dieser ohnehin schon unerhörten Veranstaltung fiel ihr Beitrag noch zusätzlich aus dem Rahmen. Irene Below berichtete darin über ihre (vermeintlich) ganz persönlichen Erfahrungen, die sie erkennen ließen, daß „Männerkunst“ und „Männerkunstgeschichte“ ihre Sache nicht sein kann. Im Tagungsband schreibt sie, es gäbe keine „richtige“, sondern vielmehr „verschiedene interessengeleitete Formen der Beschäftigung mit Kunst“. Mit dieser Erkenntnis definiert sie eine Sichtweise, die sie bis heute vertritt: Auf ihre freimütigen Worte konnte und kann man/frau sich stets ebenso verlassen wie auf ihre solidarische Unterstützung.

Die im Heft versammelten Beiträge wollen einige der beruflichen und intellektuellen Positionen Irene Belowsbeleuchten. Heinrich Dilly, gemeinsam mit Below einer der Herausgeber des 1975 veröffentlichten, wegweisenden Bandes Kunstwissenschaft und Kunstvermittlung, überdenkt in seinem Beitrag seine damals veröffentlichten Thesen zur Lichtbildprojektion in der kunstgeschichtlichen Lehre, die er in den heißen Diskussionen des EditorInnenteams verteidigen mußte. Im Mittelpunkt von Ines Lindners Beitrag stehen die Begriffe Depot und Exil, die in Irene Belows cabinet imaginaire immer eine bedeutende Rolle gespielt haben. Emigration, Flucht und Vertreibung und sei es die ins Depot, ins Verborgene und Obskure eines Archivs oder Museumskellers, sind von je her die Themen gewesen, die Irene Below umgetrieben haben.

Klaus Möller beschreibt anhand eines Ausstellungsprojektes von Studierenden des Oberstufenkollegs Bielefeld (Es gab nicht nur das Bauhaus) das pädagogische Credo der Lehrerin Irene Below. Gemeinsames Arbeiten, so schildert er, bedeutet für sie, Entdeckungen Raum zu lassen und Experimente zu wagen. Die wachsende Erkenntnis der Gruppe kann auf diese Weise zur Grundlage des Projekts einer wachsenden Ausstellung werden.

Sigrid Schade hat mit Irene Below lange Zeit in der AG Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts kooperiert. Im Kontext von Globalisierungsdebatte und „Welt-Kunst“ – Schwerpunkte von Irene Belows Arbeit in jüngerer Zeit - beschäftigt sich Schades Text mit den Arbeiten der Künstlerin Silke Radenhausen, die in ihrer Insistenz auf dem produktiven Potential des Nicht-Wissens einen Gegenpol zur vereinnahmenden Aneignung des Fremden in Kunst und Kultur darstellen.

Silke Wenks Hommage gilt Irene Belows Beitrag zu einer feministischen Interventionskultur, bei der reflektierende Analyse und politische Intervention Hand und in Hand gehen, Denken und Tun also nicht voneinander getrennte bzw. zu trennende Katagorien bilden, sondern, im Gegenteil, in ihrer Verschränkung als gesellschaftliches Handeln verstanden werden. Katharina Sykora und Birgit Haehnel schließlich diskutieren mit dem Konzept des Unpassenden (Misfits) bzw. der Nomadin Strategien feministischen Selbstverständnisses, die auf Irene Below übertragbar sein könnten. Irene Below bewegt sich als Mitfits mit loser Zunge abseits akademischer Norm(ierung) und ist damit nicht nur in bester Gesellschaft, sondern selbst auch beste Gesellschaft. Rosi Braidottis Plädoyer für das Herausbilden nomadischer Figurationen zur Überwindung hegemonialer Machtstrukturen und damit verbundenen rassistischen und sexistischen Stereotypen fügt sich zumindest als politischer und ethischer Standpunkt in das interessengeleitete Arbeiten Irene Belows ein. Allen AutorInnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Bedanken möchten wir uns ebenfalls bei der Graphikerin und ehemaligen Below Schülerin Judith Walgenbach, die in diesem Heft die Edition übernommen hat. Birgit Schulte stellt sie uns vor.

Auf dem Cover zeigen wir ein bisher unveröffentlichtes Foto der Künstlerin Eva Hesse, der die umfangreichste Künstlerinnenretrospektive dieses Jahres im Museum Wiesbaden ge­wid­met war. Gislind Nabakowski verdanken wir die Vermittlung der Aufnahme; sie übernahm es auch, für FKW eine kritische Stellungnahme zu dem Ausstellungsereignis zu schreiben. Unser Dank gilt an dieser Stelle auch Werner Nekes für die Genehmigung zur Veröffentlichung. Die Reihe der Rezension ergänzen Astrid Schmetterlings Besprechung von Irene Belows Buch Hidden Treasures. Irma Stern. Her Books, Painted Book Covers and Bookplates und Peter Kruskas Bericht von der LeipzigerTagung Global Players?Kunstgeschichte und die Gegen­wartskunst der Welt, an der natürlich auch Irene Below mit großem Interesse teilnahm. Ein spezieller Dank geht zudem an Renate Berger, die mit ihrer Spende diese Festschrift unterstützt hat.

Anja Baumhoff, die im Anschluß an dieses Editorial stellvertretend für FKW eine Laudatio für Irene Below unternimmt, scheidet nach Erscheinen des Heftes aus der Redaktion aus. Zum Herausgeberinnenteam gehörte seit 1994 auch Susan Marti, die die Redaktion bereits Anfang des Jahres verlassen hat. Wir danken beiden Kolleginnen für die spannende und ertragreiche, oft nicht einfache Arbeit an den Heften, für das Ein­bringen von Ideen und Initiativen. Als neues Mitglied von Redaktion und HerausgeberInnenkreis begrüssen wir Marianne Koos; unseren LeserInnen ist sie bereits als Gastredakteurin des letzten Heftes Tomboys bekannt.

Das nächste Heft wird im Juni 2003 unter dem Titel Im (Be)Griff des Bildes erscheinen, in der Dezemberausgabe behandeln wir das Thema Kriegsschauplätze.

Anja Baumhoff, Christiane Keim, Birgit Thiemann, Christina Threuter

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Dezember 2002
Heft 34 - Klick = großes Bild
Redaktion
Anja Baumhoff
Christiane Keim
Birgit Thiemann
Christina Threuter
Infoteil
Christiane Keim
Birgit Thiemann
Edition
Edition Nr.: 22