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Standort(e): Gender-Bild-Politik. Eine Einleitung
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Standort(e): Eine Orientierung in eigener Sache
Als die Zeitschrift FrauenKunstWissenschaft im Anschluss an die 3. Kunsthistorikerinnen-tagung 1986 gegründet wurde, geschah dies aus dem Bestreben, der wissenschaftlichen und wissenschaftskritischen Auseinandersetzung mit genusspezifischen Fragestellungen ein Diskussionsforum zu bieten und zur stärkeren Vernetzung feministischer Kulturinitiativen beizutragen. Dem hat die Zeitschrift besonders mit ihren Schwerpunktsetzungen in den einzelnen Heften Rechnung getragen. Gerade mit ihren Themenstellungen, die von den jeweiligen Redakteurinnen konzipiert wurden, zeigte sich die Zeitschrift am Puls der Zeit. So reflektierte beispielsweise das Heft Kriegsschauplätze[2] nach dem 11. September 2001 die Visualität des Krieges, seine imaginären wie realen Schauplätze sowie seine Vermitteltheit über Geschlechterbilder, das Heft Gender Memory[3] stellte die Verwobenheit der Themen von Gedächtnis und Erinnerung - wie sie seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts diskutiert wurden - unter dem Gesichtspunkt der Kategorie des Geschlechts neu zur Disposition. Die Ausgabe Wissensstile - Geschlechterstile. Visualisierung. Erkenntnis. Geschlecht[4] forcierte die geschlechtertheoretischen Fragestellungen auf dem Feld der "boomenden" Bildwissenschaften. Mit dieser kleinen Auswahl von Ausgaben und Themen sei darauf hin gewiesen, wie die thematische Schwerpunktsetzung von FKW mit den Herausforderungen der Gegenwart sowohl im Kulturbetrieb wie innerhalb der Wissenschaften in der Vergangenheit umging und dass sie dies auch als ihren Leitfaden für die Zukunft sieht.
Die Verknüpfung der Gegenstände und Themen von FKW mit den Arbeitsprozessen der einzelnen Redakteurinnen war dann auch der Anlass, dass Jubiläumsheft in Form eines Werkstattberichtes zu gestalten. Mittels kurzer spotlight-artiger Betrachtungen geben die Redakteurinnen Einblick in die Zukunft von FKW. Seit 2004 hat das FKW-Redaktionsteam fast komplett gewechselt, und entsprechend gibt es viele ambitionierte Ideen für heiße Themen. Dies war ein weiterer Anlass für die Konzeption des Jubiläumsheftes. In Form der Spotlights werden sich die einzelnen Redakteurinnen mit ihren Perspektiven auf die Kunst, das Bild, die Geschlechterfrage, die kulturelle und politische Stellung des Visuellen usf. vorstellen. Die kurzen Beiträge sind als eine Art Laborsituation zu verstehen, in denen wir in eigener Sache Stellung beziehen. Was sind unsere Forschungsgebiete, wie verbinden sie sich mit feministischen Fragestellungen aber auch dem jetzt und heute der kulturpolitischen Debatten. Und vor allem, wie gehen sie in die Zukunft von FKW und die weitere Konturierung des Zeitschriftenprofils ein.
Mit dem Jubilieren geht es aber auch um weit grundsätzlichere Überlegungen, welche die Konzeption der Zeitschrift, Trägerschaft, Finanzierung sowie innerredaktionelle Arbeitsweisen und externe Kooperationsmöglichkeiten betreffen. So dient dieses Heft nicht zuletzt der Orientierung in eigener Sache; als Plattform für einen längerfristigen Prozess der Umgestaltung auf dessen Weg wir sind. Der neue Titel und das neue Layout, die wir mit dem Jubiläumsheft erstmalig vorstellen wollen, sind auf Seiten von Form und Gestaltung die Blickpunkte mit denen Zeichen gesetzt werden sollen. Nach verschiedenen Anläufen und langen Diskussionen soll FKW zukünftig FKW - Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur heißen. Die Vergangenheit bleibt also in den ersten drei Buchstaben präsent, die Zukunft hat ihren Ort in der Erweiterung des Titels.
Der neue Titel und das neue Layout ist keine Zäsur zum Vergangenen. Die Zukunft von FKW hat schon längst begonnen; das Jubiläum ist nur der Anlass die weitere Konzeption sowie die aktuelle gesellschaftliche wie hochschulpolitische Situation genauer ins Visier zu nehmen. Begonnen hat die Zukunft längst schon in der Einrichtung einer Homepage (www.frauenkunstwissenschaft.de), wo das Wichtigste zu FKW zu finden ist, beispielsweise die Möglichkeit FKW zu abonnieren, die alten wie die neuen Heftthemen oder die jeweils aktuellen Ausgaben mit Abstracts zu den einzelnen Beiträgen.
Rückblick
Im Rahmen der Institution Kunstgeschichte war eine Feministische Forschung nicht vorgesehen. Seit Anfang der 70er bis Ende der 80er Jahre wurden kunsthistorische feministische Forschungen fast ausschließlich außerhalb der Institution oder an ihren Rändern organisiert. Wie in fast allen wissenschaftlichen Disziplinen, so bildete auch für die Kunstgeschichte die in den frühen 60er Jahren einsetzende Frauenbewegung den Kontext der Entwicklung feministischer Fragestellungen. Die Kritik an den sozialen, politischen und kulturellen Bedingungen, welche die Anerkennung der Gleichwertigkeit von Frauen und Männern verhinderten, ergab die gemeinsame Plattform der Frauenbewegungen, die sich im Kontext der politischen Aufbruchstimmung der Studentenbewegung seit 1968 gebildet hatten. Die wissenschaftlichen Institutionen der Kunstgeschichte weigerten sich dagegen beharrlich eine Forschungsrichtung zur Kenntnis zu nehmen, die fachspezifische Fragestellungen gerade nicht unter rein disziplinären Gesichtspunkten betrachtete. Mit dem Fokus der Geschlechterdifferenz und der Prämisse, dass diese Scharfeinstellung von zentraler Bedeutung für den gesamten Bereich der Kunstproduktion und -rezeption, der Wahrnehmung wie überhaupt die Annahmen über Kunst ist, stellten die feministischen Ansätze in der Kunstgeschichte die bisherige Kunstgeschichtsschreibung und ihre Institutionen in grundsätzlicher Weise in Frage. Eine Vielzahl der dabei entstandenen Veröffentlichungen widmete sich der Dokumentation einer Künstlerinnen-Geschichte, ihrer Marginalisierung, den institutionellen Ausschlußmechanismen sowie den gesellschaftlichen Barrieren, die der Profession als Künstlerin im Wege standen und - nicht zuletzt - der Kunstgeschichtsschreibung selbst und ihren Mythen von Kunst und Künstlern. Neue Formen der Kommunikation und des Austausches wurden gesucht und mit den Kunsthistorikerinnentagungen sowie der Zeitschrift FrauenKunstWissenschaft gefunden, die seit Juli 1987 in halbjährlicher Folge erscheint und inhaltlich jeweils einen Themenschwerpunkt präsentiert, der von den einzelnen Redakteurinnen gestaltet wird. Seit 1992 wird zudem unter der Rubrik Edition regelmäßig eine Arbeit zeitgenössischer Künstlerinnen vorgestellt.
Für das Fach Kunstgeschichte spielte in der gesellschaftspolitisch bewegten Zeit um 1968 die Aufspaltung der Wissenschaftsszene in ein akzeptiertes konservatives Establishment um den Verein deutscher Kunsthistoriker (VDK) und in veränderungswillige, linke Gruppierungen um den Ulmer Verein eine zentrale Rolle. So wurde die Zeitschrift FrauenKunstWissenschaft dann auch als Mitteilungsorgan der Sektion Frauenforschung im Ulmer Verein gegründet. Die Allianz war jedoch nicht von langer Dauer. Akzeptiert waren die Frauen in diesem Bündnis mit den männlichen Kollegen, wenn sie ihre Unterprivilegierung als Randproblem, als Nebenwiderspruch behandelten. In der Folgezeit bedeutete dies, sich von diesem kurzfristigen Bündnispartner wieder zu verabschieden, der auf dem 'Marsch durch die Institutionen' seine Anpassungsleistungen vollbrachte und der die 'Frauenfrage' in autoritärer Weise beiseite schob, die nichts mehr von den aufklärerischen Zielen der 68er Zeit erkennen ließ bzw. von diesen vielleicht auch nie wirklich angegangen worden war. Aus der Rückschau besehen, bedeutete die Enttäuschung über die Autoritäten von 68 für die feministisch engagierten Frauen in der Kunstgeschichte einen Prozess, der ihre eigene politische wie wissenschaftliche Emanzipation auf den Weg brachte. Hier wurde das wirksam, was die 'Frauenforschung' in ihrem Entstehungskontext insgesamt auszeichnete: Ein Beitrag zu sein zur Bewußtseinsbildung von Frauen mit dem Ziel der Abschaffung ihrer gesellschaftlichen Unterordnung.
Das Publikationsorgan FKW - in seiner Anfangsphase noch in der informellen Form eines Rundbriefes angelegt - wurde immer mehr zu einer Zeitschrift, die mit ihren Themenheften die Veränderungen in Kunst, Wissenschaft und Geschlechterforschung reflektierte und mitzubestimmen suchte. Zwanzig Jahre und 43 Hefte später ist in der kunst- und kulturwissenschaftlichen Geschlechterforschung einiges passiert: Paradigmenwechsel, Methodenstreits, Institutionalisierungsdebatten und die Erschließung neuer Gegenstandsbereiche haben dafür gesorgt, dass die Frage nach den Zusammenhängen zwischen der Kategorie Geschlecht und den Phänomenen des Visuellen ein dynamisches Feld der produktiven Auseinandersetzung geblieben ist. FKW ist Teil dieser Verschiebungen und hat ihren Anteil daran. Bis heute ist FKW das einzige Publikationsorgan für feministische Kunst, Kunstwissenschaft und Kulturarbeit im deutschsprachigen Raum geblieben.
Wie die Gründung von FKW deutlich zeigt, stand die Zeitschrift in einer engen Beziehung zur feministischen Kunstgeschichte wie sie durch die Kunsthistorikererinnentagungen repräsentiert wurde. Doch zeigen die Hefte in ihrer Mischung aus Mitteilungsorgan, immer wieder neu ausgehandelten und neu aufbereiteten Themenheften sowie den Editionen, in den Künstlerinnen ihre Arbeiten vorstellen, ein ganz eigenes Profil. FKW hat thematische Schwerpunkte gesetzt, die sich zwischen künstlerischer Produktion, gesellschaftspolitischen Ereignissen und den Debatten und Spektakeln des Kulturellen bewegen. Die doppelte politische Position(ierung) von FKW, auf der einen Seite feministische Stimme innerhalb der kunsthistorischen Forschung zu sein und auf der anderen Seite kunstwissenschaftliche (bildwissenschaftliche) Fachstimme innerhalb der feministischen Wissenschaften - der Frauen- und Geschlechterforschung in den verschiedenen Disziplinen sowie der Gender Studies - macht ein weiteres Merkmal der Zeitschrift aus.
Gegenwart und Zukunft
Diese Einzigartigkeit (im doppelten Sinn) soll mit unserem Jubiläumsheft gewürdigt werden. Anlässlich eines Jubiläums Rückschau zu halten, den aktuellen Standort zu bestimmen und Vorausschau zu üben, ist ein gängiges Ritual. Dass wir zum Jubiläum von FrauenKunstWissenschaft gleich ein ganzes Heft mit dem Titel Standort(e): Gender-Bild-Politik herausgeben, hat weitere Gründe. So scheint angesichts derzeitiger institutioneller, disziplinärer und inhaltlicher Umwälzungen auch eine umfassendere Standort-Bestimmung sinnvoll. Mit dem kurzen Rückblick auf die enge Verbindung von Frauenbewegung und der Entstehung feministischer Fragestellungen in der Kunstgeschichte sowie der damit verbundenen Gründung von FKW als Publikations- und Mitteilungsorgan stellt sich die Frage, wie wichtig dieser enge Konnex von gesellschaftlicher Unruhe und Bewegung für die Ausbildung einer neuen wissenschaftlichen Fragestellung und ihrer Produktivität war und ist. Die Einrichtung einer eigenen Disziplin, welche die Frage des Geschlechts zu ihrem zentralen Gegenstand machte - die Gender-Studies - wurde als ein Erfolg verbucht, der dem Feminismus in den Wissenschaften eine eigenständige Präsenz verlieh. Doch von Beginn an war eine solche Exklusion nicht unumstritten: Inwieweit führte die Gründung der Gender Studies zur Delegierung von feministischen Fragestellungen an die neu eingerichteten Studiengänge und zur Entlastungsfunktion für der jeweiligen Fächer? Gerade das, was am Anfang stand, die Disziplin Kunstgeschichte in einigen ihren grundlegenden Annahmen zu hinterfragen, stand und steht in Gefahr seine Wirkungskraft zu verlieren. Auch die Frage nach der Vermittlung der fachübergreifenden Fragestellungen der Geschlechterstudien mit der Spezifität der Disziplin Kunstgeschichte - ihrer Geschichte, Erzählweisen, Genealogien, medialen Besonderheiten - wurde damit ausgewichen. Gerade unter den gegenwärtigen Bedingungen von Einsparpolitiken und damit vermengtem Umbau an den Universitäten stellen sich diese Fragen noch dringlicher. Im Kontext der sich seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelnden wissenschaftspolitischen Lage, die charakterisiert ist durch einen Verteilungskampf um die finanziellen Ressourcen, den Nachweis von Effizienz und Leistung in den einzelnen Fächern sowie einer neu angetriebenen Konkurrenz von Geistes- und Naturwissenschaften (siehe nur den Begriff Lebenswissenschaften) bedeuten gerade für genderspezifische Fragestellungen den Nachweis ihrer Existenzberechtigung.
Institution Universität
Da wäre - um ganz groß anzufangen - der massiv vorangetriebene Umbau von Universität und Studium (Modularisierung, Bachelor- und Masterstudiengänge), der die langjährigen hochschul- und wissenschaftspolitischen Bemühungen um eine ‚Selbstverständlichung' genderrelevanter Fragestellungen, deren Verstetigung in Studiengängen, Studieninhalten und durch Stellenbesetzungen vor neue Herausforderungen stellt.
Gender/Disziplin
Gender in den Sozial- und in den Kulturwissenschaften; Gender Studies - Cultural Gender Studies - Visual Studies: Queer-Studies, Postcolonial/Whiteness-Studies, Inter-/ Transdisziplinarität. Mit diesen Begriffen sind einige der Forschungseinrichtungen und Studiengänge benannt, die in den letzten Jahren jenseits der alten Fachdisziplinen die Frage nach dem Geschlecht und seiner kulturellen Verortung stellten bzw. die sich aus der kritischen Reflexion zum Begriff des Geschlechts weiter ausdifferenziert haben. Mit ihrer Etablierung wie auch in Hinsicht auf die neue Kanonisierung der Disziplinen durch den BA stellt sich die Frage der Verhältnismäßigkeit. Haben sie eine Rückbindung an die traditionellen Disziplinen und deren Themen und Fragestellungen oder werden sie zu Sonderwegen, die immer auch in Gefahr stehen zu exotischen Blüten zu werden.
Fachdisziplin (Kunstgeschichte, Medienwissenschaft, Visuelle Kultur): die ganze terms-und-turns-Mode (pictorial/iconic turn, anthropologische Wende) oder die Debatten um Medialität und die Bildwissenschaft(en) scheinen neue Trends der Forschung vorzugeben. Auffällig ist hier, dass die Genderforschung, welche beispielsweise die Kanonbildung der Kunstgeschichte und Hierarchien wie High and Low zum Thema machte, kaum berücksichtig wird noch ihre Ansprüche geltend macht.
Markierung, (Selbst-) Bezeichnung
Bei der letzten Kunsthistorikerinnen-Tagung in Berlin wurde in der Abschlussdiskussion die Frage gestellt, ob derartige Veranstaltungen denn noch notwendig seien. Es gäbe doch mittlerweile Professuren für kunsthistorische Geschlechterforschung undsoweiter. Auch FrauenKunstWissenschaft könnte überlegen, ob der Titel nicht mittlerweile etwas altbacken klingt, ob die Markierung als feministische Zeitschrift beispielsweise für Leser/innen der jüngeren Generation nicht eher abschreckend wirkt denn neugierig macht. Zugleich zeigt sich immer wieder, wie fragil sicher und etabliert geglaubte Errungenschaften plötzlich werden können (z.B. die Auflösung des Fakultätennetzwerks gender und kultur. das fakultätennetz an der Universität der Künste Berlin im April 2007, die befristete Existenz von GraKo's wie in Trier Identität und Differenz. Geschlechterkonstruktion und Interkulturalität, dessen Arbeitsbereiche in Form des Centrum für Postcolonial und Gender Studies (CePoG) fortgeführt wird). Wie notwendig ist die terminologische Erinnerung? Wie sinnvoll und wichtig ist das offensive Outing? Wie kann mit Bezeichnungs- und Selbstbezeichnungsstrategien strategisch vorteilhaft umgegangen werden?
Gender, Kunstgeschichte und Visualität als wissenschaftliches Projekt
Zudem sind in den letzten Jahren eine Reihe von Veröffentlichungen erschienen, deren historiografisches Strickwerk nicht einfach nur dem einführenden, fortbildenden und verständigenden Überblick dient. Sie scheinen Symptom (und Beleg) für einen auch grundlegenderen Bedarf nach Rückschau, wissenschaftlicher Pointierung und selbstversichernder Positionsbestimmung der (nicht nur) kunst- und kulturwissenschaftlichen Gender Studien zu sein. Als Beispiele seien genannt:
- Barbara Paul: Kunsthistorische Gender Studies: geschichtliche Entwicklungen und aktuelle Perspektiven. In: kritische berichte. Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften. 4/2001, 5-12.
- Barbara Paul: Kunstgeschichte, Feminismus und Gender Studies. In: Hans Belting / Heinrich Dilly / Wolfgang Kemp (Hg.): Kunstgeschichte. Eine Einführung. Berlin 62003, 297-328.
- Hadumod Bußmann/Renate Hof (Hg.): Genus. Geschlechterforschung/Gender Studies in den Kultur- und Sozialwissenschaften. Ein Handbuch. Zweite überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart 2005.
- Martina Löw/Bettina Mathes (Hg.): Schlüsselwerke der Geschlechterforschung. Wiesbaden 2005.
- Anja Zimmermann (Hg.): Kunstgeschichte und Gender. Eine Einführung. Berlin 2006.
Wie hängen diese Positionierungen zusammen mit der derzeitigen Situation der Genderforschung an den deutschsprachigen Universitäten (Studienreform usw.). Wo stehen die feministischen Kunstwissenschaften, die kunsthistorische Geschlechterforschung, die Cultural Gender Studies heute? Dies alles sind Fragen, die sich mit einem Rückblick auf zwanzig Jahre FrauenKunstWissenschaft stellen.
Wie in der Vergangenheit kann auch heute eine feministisch engagierte Wissenschaft nur eine kritische Wissenschaft sein, welche die Macht der Bilder aufmerksam in den analytischen Blick nimmt. Dazu hat sie in der Vergangenheit das ein oder andere Instrument zur Verfügung gestellt gerade in dem sie die Kategorie Geschlecht einführte (z.B. als Teil der Forschungen zum Künstlermythos[5], der Repräsentation von Körperbildern[6] oder zur Frage der Weiblichkeit der Allegorie[7]). Für das Jubiläumsheft haben wir Herausgeberinnen uns dem Versuch gestellt, im Spiegel der Vergangenheit und im Blick auf die Zukunft eine Standortbestimmung geschlechterorientierter Forschungsansätze in der visuellen Kultur vorzunehmen. Immer deutlicher tritt dabei zutage, wie eng diese an die wissenschafts- und kulturpolitischen Bedingungen der Gegenwart gebunden sind, sowie an die Differenzierungen der Gegenstände und Methoden der einzelnen Wissenschaftlerinnen - wie sie sich beispielsweise in der aktuellen Ausgabe und in den Spotlights der einzelnen Redakteurinnen vorstellen.
Sigrid Adorf setzt sich dazu mit dem Medium der Video-Performance im Kontext der aktuellen Theoriediskussionen auseinander. Das Beispiel der Betrachtung ist Je suis une bombe von Elodie Pong mit denen sie sich der Frage nach der Stellungnahme, dem Beziehen einer Position, in der Ansprache des Videos an die Betrachter widmet. "Ob und wie sich daraus ein Verhältnis ableiten lässt, dass als verändernd angesehen werden kann, nicht zuletzt in einem politischen Sinn"[8] ist der weiterführende Gegenstand ihrer Überlegungen. Die "geflügelten Kreaturen" der hochmittelalterlichen Skulptur sind der Untersuchungsgegenstand von Silke Büttner. In einer dichten Beschreibung der entmaterialisiert erscheinenden Steinskulpturen versucht sie Hinweise zu erhalten auf die "Einkörperung von Wissen, gesellschaftlicher Ordnung und Hierarchisierung, auf die Art der Subjektivierung und die Arten der Spaltungen von Selbst und Andere, Innen und Außen, Zentrum und Peripherie"[9]. Kerstin Brandes setzt sich mit der Strapazierung des Exotischen in einer Werbekampagne der Zeitschrift Hörzu auseinander, wo das tradierte Bildrepertoire der sexualisierten exotischen Schönheit und das der indigenen afrikanischen Stammesfrau in die Dynamik einer aktuellen Medienpolitik eingebracht wird. Damit ist die Frage nach alten und neuen Rassismen neu gestellt. Unter medienkritischer Perspektive betrachtet Maike Christadler Zeichnungen von Urs Graf. Konzentriert auf die Materialität des Bildmediums der Zeichnung zeigt sie im Verfahren einer nahen Beschreibung die Verquickung von Gewalt und Geschlecht. Im Blick auf die zeitgenössische Fotografie - mit dokumentarischen wie künstlerischen Anspruch - und ihre Präsenz in den Pressemedien setzt sich Hildegard Frübis mit der aktuellen Bilderpolitik eines "neuen" Orientalismus auseinander. Im Vordergrund steht dabei das Verhältnis von fotografischer Bildwerdung und außerbildlicher Wirklichkeit sowie die damit verbundenen Frage nach dem Stellenwert der fotografischen Bilder für die Erschließung der Realität. Edith Futscher nimmt den Film Gespenster von Christian Petzold zum Anlass über Figurationen des Sozialen und deren Transformationen im Feld des Visuellen nach zu denken. Die aktuelle Präsenz von Mädchen-Freundschaften/Girlism in Film und Fernsehen - so ihre Beobachtung - zeigt etwas von der zeitgenössischen Verunsicherung der weiblichen Identitätsfindungen wie auch der Brüchigkeit und Instabilität tradierten sozialer Formen, die nun im Durchspielen der Formationen von Mädchen/Frauen-Freundschaften sichtbar werden. Kathrin Heinz nimmt das Thema der Künstlermythen auf in ihrer Befragung des Autobiographischen und seiner Stellung in der Kunstgeschichte/-geschichtsschreibung. Der Parallelisierung gemalter Haut mit der Oberfläche des Bildes sowie den damit einhergehenden medien- und kunsthistorischen Reflektionen über Malerei widmet sich Marianne Koos unter geschlechterspezifischer Perspektive. Gegenstand ihrer Betrachtung ist sind die Arbeiten von Jean-Étienne Liotard, insbesondere ein Pastellbildnis seiner Tochter Marie-Jeanne. In ihrem Beitrag "Bild, Wissenschaft, Geschlecht" geht Anja Zimmermann den Ausschlüssen der Bildwissenschaften nach, was die Fragen des Geschlechts betrifft. Sie verweist auf den in der feministischen Arbeitspraxis schon längst eingeübten Blick auf jene anderen, außerkünstlerischen Bildreservoire sowie auf den möglichen Gewinn einer genderorientierten Bildwissenschaft.
Mit diesem Themenrepertoire werden nicht nur ganz unterschiedliche Gegenstände und Medien sichtbar, welche die historischen Zeiträume vom Mittelalter bis in die Gegenwart repräsentieren, sondern mit ihnen kommt auch eine ganze Palette von unterschiedlichen methodischen Verfahren zur Anwendung. Sie reichen von der Ikonographie, der Repräsentationskritik, der Diskursanalyse, psychoanalytisch-semiotischen Ansätzen sowie der Diskursanalyse bis zur "Dichten Beschreibung" und wahrnehmungstheoretischen Überlegungen. Die geflügelte Rede von dem feministischen Ansatz aus dem inzwischen viele Sätze geworden sind,[10] hat ihre Produktivität gezeigt und sich in einer Vielfalt methodischer Verfahren weiter aufgefächert.
Hildegard Frübis
[1] Ich danke Kerstin Brandes für ihre Notizen und Anregungen.
[2] Heft 36/2003 (Redakteurinnen Karin Görner und Linda Hentschel).
[3] Heft 39/ 2005 (Redaktion: Für das Kolleg Kulturwissenschaftliche Geschlechterstudien, Uni. Oldenburg: J. Hoenes, R. Kochius, P. Mühr, K. Ellwanger, S. Wenk.
[4] Heft 42/2006 (Redakteurin Anja Zimmermann).
[5] Vgl. den Tagungsband der 6. Kunsthistorikerinnen-Tagung "Mythen von Autorschaft und Weiblichkeit im 20. Jahrhundert", herausgegeben von Kathrin Hoffmann-Curtius u.a., Marburg 1997; Maike Christadler, Kreativität und Geschlecht. Giorgio Vasaris "Vite" und Sofonisba Anguissolas Selbst-Bilder, Berlin 2000.
[6] Siehe Sigrid Schade, Zum historischen Kontext der Frage nach dem Verhältnis von Autonomisierung des Aktbildes und Geschlechterdifferenz - Freiheit für wen? in: Anja Zimmermann (Hg.): Kunstgeschichte und Gender. Eine Einführung, Berlin 2006, S. 61-72, Sivia Eiblmayr, Gewalt am Bild - Gewalt im Bild, in: Ines Lindner u.a. (Hg.): Blick-Wechsel. Konstruktionen von Männlichkeit und Weiblichkeit in Kunst und Kunstgeschichte, Berlin 1989, S. 337-358.
[7] Vgl. den Band Allegorien und Geschlechterdifferenz, herausgegeben von Sigrid Schade, Monika Wagner und Sigrid Weigel (Köln u.a. 1985); Silke Wenk, Der öffentliche weibliche Akt: eine Allegorie des Sozialstaates, in: Ilsebill Barta u.a. (Hg.): Frauen Bilder, Männer Mythen. Kunsthistorische Beiträge, Berlin 1987, S. 217-238.
[8] Sigrid Adorf in diesem Heft, S. 14.
[9] Silke Büttner in diesem Heft, S. 33.
[10] Im Original: "Aus dem feministischen Ansatz sind inzwischen viele Sätze geworden." Aus dem Vorwort des Tagungsbandes zur 4. Kunsthistorikerinnen-Tagung: Ines Lindner u.a. (Hg.): Blick-Wechsel. Konstruktionen von Männlichkeit und Weiblichkeit in Kunst und Kunstgeschichte, Berlin 1989, S. 11.
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