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Beiträge
Gabriele Werner: Wo stehen wir? Die feministische Kunstgeschichte hat seit ihren Anfängen Theorien des Bildlichen geschrieben und wohlweislich nie eine Bildtheorie(Einleitung)
Barbara Paul: Nach dem Kanon ist vor dem Kanon? Aktuelle queer-feministische Debatten in Kunst und Wissenschaft
Anja Zimmermann ‚Kunst von Frauen’. Zur Geschichte einer Forschungsfrage
Edith Futscher Lesen im Staub: Marguerite Duras’ Césarée im Rahmen der Kanondebatte
Edition:
Stefanie Seibold: Image/Installation (2009)
Beiträge:
Barbara Jenner: Paradoxien der Schaulust. Wahrnehmung und Geschlechterkonstruktion im frühen erotischen Film
Angelika Bartl: Das reflexive Lachen der Anderen. Feministische Kunstkritik, dokumentarische Videokunst und die Frage des Politischen
Ulrike Bergermann: Transgender Pictures. Subkultur und Herr von Eden
Rezensionen:
Antke Engel: Von der Sichtbarkeit zur Anerkennung: Johanna Schaffer, Ambivalenzen der Sichtbarkeit. Über die visuellen Strukturen der Anerkennung, Bielefeld 2008
Magdalena Rühl: Aufgeribbelt uns durchgewalkt: historische Entwicklung und kritische Reflexion des Spannungsfeldes von Kunst, Handwerk und Geschlecht von der Moderne bis in die Gegenwart: Jennifer John, Sigrid Schade (Hg.), Grenzgänge zwischen den Künsten. Interventionen in Gattungshierarchien und Geschlechterkonstruktionen, Bielefeld 2008
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Auszug aus der Einleitung
Wo stehen wir?
Die feministische Kunstgeschichte hat seit ihren Anfängen Theorien des Bildlichen geschrieben und wohlweislich nie eine Bildtheorie
„Wir“ ist nicht die Kategorie einer Ewig-Gestrigen, die in altvorderen Zeiten verhaftet geblieben ist, weil an ihr die Diskussion um die Ausgrenzungsmechanismen bei der Essentialisierung des Subjekts ‚Frau’ vorbeigegangen ist. „Wir“ ist ein Appell, ein Aufruf, eine Hoffnung auf eine – um Barbara Pauls Reihung zu übernehmen – feministische, queer-feministische, queere Opposition. Seit der Erklärung der ikonischen oder piktorialen Wende stehen einfache Lösungen und Deutungsmuster wieder hoch im Kurs. Mögen sie in ihrer schriftlichen Form auch noch so elaboriert daherkommen, so reduzieren sich die aktuellen Bildtheorien auf einen Neo-Phänomenologismus, Neo-Positivismus und Neo-Ontologismus, und jede Metatheorie des Bildes ist genuin eine Theorie eines Schöpfungs- und in seinem Gefolge Künstlermythos.
Die Sektion „Kanones feministischer Kunstgeschichte“ der XXX. Tagung des Verbands Deutscher Kunsthistoriker konnte nur stattfinden, weil ich als Sektionsleiterin auf Grund der mangelnden Resonanz auf den Call for papers persönlich Kolleginnen angesprochen habe; die TeilnehmerInnenzahl der Sektion war erschütternd gering. Das spiegelt in keiner Weise unsere alltägliche Arbeit in den Institutionen wieder und auch nicht das Interesse der Studierenden an den Universitäten. Symptomatisch jedoch ist, dass es die Sektion „Bildwissenschaft“ war, die dieses Interesse zu binden vermochte. Sigrid Schade hat es deutlich benannt: Die „Bildwissenschaft“ integriert Themen, „die in den letzten 25 Jahren erfolgreich von VertreterInnen der Gender Studies erforscht wurden – jedoch so, als hätte es diese nicht gegeben.“ Diese feministische Tradition zu verschweigen, ist aber für Theorien vom Bild von Nutzen. Ohne eine feministische Repräsentationskritik kann eine Bildmagie zelebriert werden, die das Bild zum Träger von Handlungen und Aktionen macht. Ohne eine kritische Befragung von Geschlechterkonstruktionen kann ‚Körperlichkeit’ als eine naturhafte Konstante eingeführt werden, ohne eine methodische und theoretische Begründung für diese Grundlegungen erläutern zu müssen. Ohne eine sprachkritische und diskurstheoretische Reflexion des eigenen Tuns und des fachlichen Zustandekommens von Kanones, braucht sich eine dekulturierte Bildontologie erst gar nicht begründen. Und ohne eine fundierte Analyse zu Subjektkonstituierungen kann die Autonomie der Kunst, können Mythen von Autorschaft und Meisterkult Kanon bleiben.
Wenn hier also darauf hingewiesen wird, dass erneut Frauen als Wissenschaftlerinnen, Theoriebildnerinnen und Themenstellerinnen ausgeschlossen werden, so hat das nichts mit einem Beleidigtsein zu tun, sondern ist ein Hinweis darauf, dass das Fach seit der Behauptung einer ikonischen oder piktorialen Wende droht, hinter seine Erkenntnisse zurückzufallen und deutlich an Qualität einzubüßen. Mit dem Versuch, die „Bildwissenschaft“ als neue interdisziplinäre Metawissenschaft zu etablieren, sind keine neuen Erkenntnisschritte zu verzeichnen. (...)
Gabriele Werner (Gastherausgeberin)
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